Trauer um Dr. Hans Graf von Hundt

Dr. Hans Graf von Hundt leitete als Geschäftsführer von 1971 bis 1995 die Geschicke des Milchprüfrings und war ein Vierteljahrhundert lang eine seiner prägenden Persönlichkeiten. Dr. von Hundt studierte nach einer landwirtschaftlichen Lehre Agrarwissenschaften an der TU in Weihenstephan und promovierte am Institut für Wirtschaftslehre des Landbaus.

Nach Tätigkeiten als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Wirtschaftslehre der TU Weihenstephan, als Exportleiter der Molkereizentrale Bayern in Nürnberg und als Wissenschaftler bei der Fa. Cyanamid übernahm er im Jahre 1971 die Geschäftsleitung des neu gegründeten Milchprüfring Bayern e.V.

Dr. von Hundt baute den Milchprüfring im Laufe seiner 24-jährigen Tätigkeit zusammen mit dem technischen Direktor Karl Schröppel zu einem der modernsten Unternehmen seiner Art in Europa aus. Viele Impulse zur Weiterentwicklung der Untersuchungstechnik und der Probenahmelogistik, der Absicherung von Untersuchungs­ergebnissen sowie der Datenerfassung und -verarbeitung im Laborbereich gingen in dieser Zeit vom Milchprüfring Bayern e.V. aus. Der Bayerische Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Reinhold Bocklet, würdigte die Verdienste Dr. von Hundts anlässlich seines Ausscheidens aus dem Berufsleben mit der Verleihung des Ehrentellers seines Hauses. Der Milchprüfring verlieh „seinem Herrn Doktor“ 2010 anlässlich des 75-jährigen Jubiläums den Ehrenpreis des Milchprüfring Bayern e.V. und würdigte damit die großen Verdienste des Preisträgers um die Organisation. Dr. von Hundt habe es geschafft, trotz der ständigen Veränderungen, die mit der Technisierung und Automatisierung der Labortätigkeiten – und damit auch mit einem enormen Personalabbau – verbunden waren, den Wandel mit hoher sozialer Verantwortung positiv zu gestalten.

Bei allen ernsten Themen hatte Dr. von Hundt, auch über seine Pensionierung hinaus, immer einen humorvollen Kommentar zur aktuellen Lage der Milchwirtschaft im Allgemeinen und für den Milchprüfring im Besonderen parat.

Der Milchprüfring Bayern e.V. mit Vorstand, Geschäftsführung und allen Mitarbeitern verneigt sich vor einer seiner prägenden Persönlichkeiten. Wir sagen „Vergelt´s Gott“ für alles, was Dr. Hans Graf von Hundt für unsere Organisation geleistet hat und trauern mit seiner großen Familie.

900.000 PAG-Tests aus Milch in Wolnzach untersucht!

Begonnen hat alles im Jahre 2014 mit der Idee, die Trächtigkeitsuntersuchung aus der Milch beim mpr zu etablieren. In den Anfangsjahren war für den PAG-Test aus Milch noch sehr viel „Handarbeit“ nötig. Bald stellte sich heraus, dass durch die steigenden Probenzahlen eine zeitnahe Untersuchung nur noch mit sehr viel Personaleinsatz möglich ist. Eine Teilautomatisierung wurde vorgenommen. Im Jahre 2015 wurden über 144.000 Untersuchungen durchgeführt, dies steigerte sich im Jahre 2016 auf knapp 160.000. Als im Jahre 2017 die 200.000 PAG-Proben nur noch knapp unterschritten wurden, ist die Entscheidung für eine Vollautomatisierung bereits gefallen. Inzwischen werden bis zu 2.250 Proben pro Tag untersucht.

Mit dem PAG-Test aus Milch können Kühe ab dem 28. Trächtigkeitstag untersucht werden. Es muss aber beachtet werden, dass die letzte Abkalbung vor mindestens 60 Tagen stattgefunden hat. Nur dann können die PAGs (Pregnancy-Associated Glycoprotein) aus der aktuellen Trächtigkeit festgestellt werden. Der Test ist auch für Ziegen und Schafe anwendbar. Allerdings gelten für Schafe andere Kriterien, welche hier nachgelesen werden können.

Der PAG-Test aus Milch wird beim LKV in vier verschiedenen Varianten angeboten. Bei den Programmen HerdePlus und HerdeComfort erfolgt die PAG-Untersuchung je nach Trächtigkeitsstadium automatisch und der Landwirt kann den Status seiner Kühe jederzeit abrufen. Detaillierte Informationen hierzu bietet das LKV auf seiner Homepage.
 

Nicht-LKV-Mitglieder können Einzelröhrchen direkt beim mpr anfordern. Ein 10er-Set kostet 65 EUR (zzgl. MwSt.), bei größeren Abnahmemengen ist ein Rabatt möglich. Weitere Infos unter www.mpr-bayern.de/de/Labor/PAG-Test-aus-Milch

Die Ergebnisse können ganz einfach über unsere App mpr-mobil abgerufen werden.

QM-Milch: Neuer "Standard 2020" ab 1. Januar 2020

Der neue "QM-Milch-Standard 2020" wird zum 1. Januar 2020 in Kraft gesetzt. Der derzeit noch angewandte Standard 2.0 wird ohne jeglichen Übergangszeitraum zu Beginn des kommenden Jahres vom "QM-Milch-Standard 2020" abgelöst.

Die wichtigsten Änderungen für die Milcherzeuger im Überblick

Es gibt zukünftig mehr Kriterien:

  •  Ermittlung des Trächtigkeitsstatus
  •  keine haltungsbedingten Mängel/Technopathien
  •  effiziente antibiotikareduzierte Behandlung (zur Eutergesundheit)
  •  Lagerung von Arzneimittel
  •   Ordentliches Erscheinungsbild des Betriebes

 

  • Durch die zusätzlichen 5 neuen Kriterien erhöht sich die Zahl der Kriterien auf 69 (bisher 64)
  • Die maximal erreichbare Punktzahl liegt bei 81 (bisher 72)
  • Die Mindestpunktzahl liegt zukünftig bei 61 (bisher 54)
  • Für die Mindestpunktzahl müssen zukünftig 75 Prozent der möglichen Punkte erreicht werden (bisher 72 Prozent)
  • Das Erreichen der Mindestpunktzahl ist die eine Hürde, die dem Großteil der Milcherzeuger keine Probleme bereitet
  • Zukünftig gibt es auch noch drei sogenannte Fokusbereiche (Tierschutz, Milchhygiene und "betriebliches Umfeld")
  • Auch innerhalb der Fokusbereiche muss eine Mindestpunktzahl erreicht werden
  • Wird diese erreicht, bleibt das Prüfintervall bei drei Jahren bzw. 36 Monaten (wie bisher)
  • Wird diese aber nicht erreicht, verkürzt sich das Prüfintervall auf 18 Monate
  • Von Ausnahmen abgesehen werden bei Nichterfüllung eines K.O.-Kriteriums bei der Nachkontrolle alle Kriterien nochmals geprüft
  • Die sogenannte "Unbedenklichkeitsbescheinigung" für Futtermittel läuft Ende des Jahres 2019 aus und wird dann nicht mehr akzeptiert

 

 

Nicht nur der neue Standard QM-Milch 2020 tritt mit Beginn des kommenden Jahres in Kraft. Auch die Gremien von QM-Milch e.V. werden einer notwendigen "Revision" unterzogen. Die Veränderung trifft vor allem den QM-Fachbeirat, ausgelöst vor allem durch das jüngste Angebot an den Bundesverband des Deutschen Lebensmitteleinzelhandels (BVLH). Dieser soll zukünftig als Folge der angebotenen und somit wahrscheinlichen Mitgliedschaft im QM-Milch e.V. auch für den QM-Fachbeirat maximal drei ständige Gäste benennen dürfen. Ohne vorherige Reduzierung dieses Gremiums wäre ein zielgerichtetes Arbeiten schlichtweg nicht mehr möglich gewesen. Unverändert bleibt der dreiköpfige Vorstand des Vereins, der von den Trägerverbänden DBV, DRV und MIV gestellt wird. Weitere Infos zum Vorstand und Fachbeirat finden Sie unter www.qm-milch.de/vorstand

Teil 10: Wie nutze ich Zellzahl-Informationen für meinen Betrieb?

In unserer Zellzahl-Serie haben wir über verschiedene Themen rund um die „Zellen in der Milch“ informiert. Sie wissen, warum Zellen in der Milch sind, wie sie gezählt werden und welche Informationen darüber zur Verfügung stehen.

Mit dem Verlauf der Tankmilch-Zellzahlen aus der Güteuntersuchung der Milch und den Zellzahlen der Einzelkühe aus der Milchleistungsprüfung beim LKV haben Sie die wichtigsten Instrumente in der Hand um die Situation in Ihrem Betrieb zu beurteilen. Insbesondere die Eutergesundheitskennzahlen aus dem monatlichen LKV-Bericht bieten die Möglichkeit, einzelne Aspekte der Eutergesundheit in Ihrer Herde zu verfolgen und damit ein für Ihren Betrieb individuelles Frühwarnsystem einzurichten (siehe dazu unsere Teile 4, 5 und 6 sowie www.die-milchkontrolle.de).

Was können Sie aber tun, wenn Sie selber nicht mehr weiterwissen, wenn Sie fachliche Hilfe von außen zuziehen wollen oder einfach nur einen Ansprechpartner für Ihre spezifischen Fragen und Anliegen in Bezug auf die Eutergesundheit Ihrer Herde brauchen?

  1. Sprechen Sie mit Ihrem Hoftierarzt! Ihr Tierarzt ist der Fachexperte für Tiergesundheit, kennt Ihren Betrieb und kann die Situation beurteilen. Auf Ihren Impuls hin wird er gemeinsam mit Ihnen zielführende Maßnahmen ergreifen oder Ihnen einen externen Experten empfehlen können, mit dem Sie gemeinsam die nächsten Schritte gehen können.
     
  2. Nehmen Sie die Möglichkeiten der spezifischen Melkberatung beim LKV wahr! Die LKV-Melkberater haben Erfahrung mit einer Vielzahl von Betrieben und können gemeinsam mit Ihnen dafür sorgen, dass die Grundlagen stimmen. Eine technisch und hygienisch einwandfreie Melkanlage zusammen mit Ihrer optimierten Melkarbeit und einem Eutergesundheitsmanagement nach guter fachlicher Praxis bilden die Basis für weitere Verbesserungen in Ihrem Betrieb.
     
  3. Ziehen Sie den Eutergesundheitsdienst des Tiergesundheitsdienstes Bayern e.V. (TGD) hinzu, wenn es um die Lösung spezieller Probleme geht und Sie zusammen mit Ihrem Hoftierarzt eine grundlegende Problemanalyse vornehmen wollen. Die für Sie zuständige regionale TGD-Geschäftsstelle finden Sie unter http://www.tgd-bayern.de/tgd-uebersicht.php?DOC_INST=94 oder kontaktieren Sie den TGD per eMail unter rgd-egd@tgd-bayern.de.

Teil 9: Wie wird Zellzählung weltweit einheitlich und vergleichbar?

„Vergleichen“ bedeutet, „etwas prüfend nebeneinanderhalten, gegeneinander abwägen um Unterschiede oder Übereinstimmungen festzustellen“, so ist im Wörterbuch zu lesen (z.B. unter www.duden.de). Soll die Länge von zwei Gegenständen verglichen werden, so scheint das recht einfach zu sein: man hält sie nebeneinander und sieht sofort, welcher Gegenstand länger ist. Sind die Gegenstände nicht so einfach nebeneinander zu halten, benutzen wir einen Meterstab, auf dem wie die Längen auf einer Messwertskala ablesen können; dadurch werden Längen durch den Vergleich der gemessenen Werte vergleichbar. Dass unterschiedliche Meterstäbe vergleichbare Messwerte liefern, wird dadurch sichergestellt, dass sie an einer Referenz, einem „Ur-Meter“ ausgerichtet werden, auf dessen Länge man sich weltweit geeinigt hat.

Übertragen wir das auf die Zellzählung, ergeben sich einige Fragen: Mit welcher Methode wird die Zellzahl gemessen? Was ist die Referenz und gibt es einen „Urmeter der Zellzählung“? Wie stellen wir sicher, dass eine Zellzahl, die in Neuseeland oder in Asien gemessen wird, mit Zellzahlen in Europa vergleichbar ist? Schließlich hängen wichtige Regelungen und Informationen wie z.B. die Bezahlung der Milch oder Zuchtwerte von Kühen und Bullen von diesen Messwerten ab.

Mit diesen Fragen beschäftigt sich seit gut 10 Jahren eine internationale Arbeitsgruppe, bestehend aus Experten des Internationalen Milchwirtschaftsverbandes IDF (International Dairy Federation – www.fil-idf.org) und von ICAR, dem Internationalen Komitee für Leistungsprüfungen in der Tierproduktion (www.icar.org). Ziel ist es, ein weltweit einheitliches und praxistaugliches Referenzsystem für die Zellzählung zu erarbeiten und zu etablieren, welches die globale Äquivalenz der gemessenen Werte sicherstellt.

Der Milchprüfring Bayern e.V. beteiligt sich von Anfang an an diesem Projekt und leistet verschiedene Beiträge um die verschiedenen Elemente eines solchen Referenzsystems zu entwickeln und in der Praxis einzuführen.

  • Zusammen mit unseren holländischen Kollegen von qlip arbeiten wir im Projekt MIAMi daran, die Referenzmethode für die Zellzählung genauer und kostengünstiger zu machen, indem wir moderne mikroskopische Methoden und Bildauswerteverfahren prüfen, auf die Milch anpassen und entwickeln.
  • Gemeinsam mit den Kollegen der internationalen Arbeitsgruppe helfen wir dem Joint Research Center der EU in Geel, Belgien, einen „Urmeter der Zellzählung“ zu entwickeln und herzustellen, ein primäres und lange haltbares Referenzmaterial, das weltweit einsetzbar ist und als „goldener Standard“ für die Zellzählung dienen wird.
  • Mit unserem Tochterunternehmen, der QSE GmbH, produzieren wir schon heute zertifizierte Referenzmaterialien, die von den Laboren als „Anker“ benutzt werden, um ihre Messmethoden zu überprüfen und an der gültigen Referenzmethode auszurichten.
  • Schließlich treiben wir als Partner des großen EU-Projekts „MetroFood“ ein Modellvorhaben voran, um das Referenzsystem für die Zellzählung international zu testen und eine Pilotanwendung zu organisieren, mit der die Machbarkeit und Funktionsfähigkeit des Referenzsystems gezeigt werden soll.

Dann ist es „nur“ noch Aufgabe der Regierungen und Organisationen weltweit dieses System auch umzusetzen und damit die Zellzählung global einheitlicher und vergleichbarer zu machen. Mehr Informationen finden Sie unter https://www.fil-idf.org/news-room/newsletters/ oder schreiben Sie uns eine eMail (cbaumgartner@mpr-bayern.de), wir informieren Sie gerne.

 

Teil 8: Zellen mit modernen Methoden-Augen sehen

 

Hintergrund:
Die Bestimmung der Zellzahl, einem wichtigen Bewertungskriterium für die Rohmilchqualität und die Eutergesundheit der Kühe, erfolgt in Routinelabors weitestgehend automatisiert mit Hochdurchsatzgeräten. Die Analysenergebnisse unterliegen einer strengen Qualitätssicherung. Maßnahmen zur Qualitätssicherung beinhalten u.a. einen nationalen und internationalen Vergleich mit anderen Rohmilchlabors sowie einen Abgleich mit der mikroskopischen Zellzahlbestimmung, bei der ein Milchtropfen auf einen Objektträger gegeben, angefärbt, getrocknet und die Zellen unter dem Mikroskop ausgezählt werden. Die mikroskopische Zellzahlbestimmung ist in der bisherigen Form sehr arbeits- und zeitintensiv und setzt ein hohes Maß an Erfahrung und Übung bei den Untersuchern voraus. Das Verfahren ist in der Norm DIN EN ISO 13366-1:2008 geregelt.

Projektziel:
Ziel des MIAMi Projekts ist es, die mikroskopische Zellzahlbestimmung nach DIN EN ISO 13366-1:2008 mit modernen Techniken weiterzuentwickeln und so den Praxiseinsatz zu erleichtern. Dies soll über verbesserte und vereinfachte Färbetechniken, automatisierte Abläufe am Mikroskop und einer automatisierten, Software basierten Bildanalyse erreicht werden. Neben der Bestimmung der Gesamtzellzahl soll in Zukunft auch zwischen unterschiedlichen Zelltypen unterschieden werden.

 

Geplante Arbeiten:

  • Probenvorbereitung und Auswertung: Verbesserung der Ergebnisqualität durch das Mikroskopieren von flüssiger anstatt von getrockneter Milch und der gesamten auf dem Objektträger aufgebrachten Milch anstatt von Teilbereichen.
  • Testen verschiedener Fluoreszenzfarbstoffe: Gibt es inzwischen Farbstoffe, welche die Zellen in der Milch und deren Strukturen besser und deutlicher darstellen als die aktuell verwendeten Farbstofflösungen? Mit welchen Farbstoffen können die einzelnen Zelltypen am besten voneinander unterschieden werden?
  • Automatisierte Auswertung: Moderne Mikroskope können angefärbte Milchausstriche auf Objektträgern selbstständig abfahren und abfotografieren, es ist keine manuelle Untersuchung mehr nötig. Auch die Entscheidung, was als Zelle gezählt wird und was nicht soll nicht mehr subjektiv, d.h. vom Untersucher abhängig erfolgen, sondern automatisiert mit Hilfe einer Bildauswertesoftware.

Teil 7: Zelldifferenzierung, was ist das?

Dass im Rahmen der Milchkontrolle (MLP) die Zellzahl in der Milch mit Hilfe von Hochdurchsatzgeräten kontinuierlich kontrolliert wird, wissen Sie bereits. Seit geraumer Zeit können aber mit einer neuen Gerätegeneration (FM 7 DC) die Zellen nicht nur gezählt, sondern gleichzeitig auch unterschieden, also differenziert werden. Für ein Projekt wurden beim mpr deshalb vor einiger Zeit fünf FM 7 DC-Geräte der Firma Foss in Betrieb genomme